News zum Digital Business Day

9
Dez

Das Henne-oder-Ei-Dilemma im Internet der Dinge

von Martin Neuenhahn

Auf dem Weg zur erfolgreichen Implementierung einer Lösung für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) lauern Fallstricke, unvorhersehbare Hindernisse und Hürden. 

Sehen Sie sich die Standard-Einkaufliste für ein ausgewachsenes IoT-Projekt an, dann wissen Sie, was ich meine (die Liste ist aus nachvollziehbaren Gründen vereinfacht).

Auf dieser Liste könnte stehen:

  • Sensoren kaufen, die in meine Objekte (Dinge) eingebettet werden können.
  • Erweiterte Funktionen zusammenstellen, mit denen diese Sensoren gesteuert werden können, etwa Funktionen für Provisioning, Authentifizierung und Autorisierung.
  • Speicherkapazitäten beschaffen, um die Daten zu speichern, die von den Sensoren remote erzeugt werden.
  • Anwendungsentwicklungs-Technologien auswählen, die Analysen erstellen, Erkenntnisse visualisieren und Entscheidungen unterstützen können.
  • Außerdem könnte auf der Liste so etwas stehen wie: Integrationsfunktionen für die ERP- und CRM-Systeme des Unternehmens, damit die Anwendung mehr Relevanz erhält.

Bevor Sie also mit Ihrer IoT-Reise beginnen, ist es ratsam, festzulegen, wo Sie anfangen wollen. Alles auf einmal zu machen, könnte zu komplex werden.

Aus einem natürlichen Impuls heraus stürzen sich viele Unternehmen zunächst auf die innovativen Aufgaben auf der Objekt-Seite. Das ist zwar verständlich, denn das ist sicherlich der spannende Teil, aber nicht unbedingt der richtige Ansatz. Für mich ist das immer wie die Frage „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“ Wenn einmal beides da ist, stellt sich die Henne-oder-Ei-Frage nicht mehr. Aber sie ist sinnvoll, wenn man wissen will, was zuerst da war.

Ich höre Sie schon fragen: Und womit fange ich denn jetzt am besten an? Um das herauszubekommen, müssen Sie überlegen: Bin ich ein Produzent oder der Konsument eines Objekts? Nach meiner vereinfachten Definition sind Sie ein Produzent, wenn Sie das Objekt selbst herstellen, alle anderen sind Konsumenten.

Warum?

Produzenten müssen die Welt durch die Brille ihres Produktes sehen. Sie müssen sich Gedanken machen um die Qualität ihres smarten Produktes, seine Nützlichkeit, Zuverlässigkeit und Handhabbarkeit und um die User-Experience, die mit ihrem Produkte verbunden ist. Kurz, sie beschäftigen sich mit den Funktionen eines Objektes. So ist es nur folgerichtig, dass eine erfolgreiche IoT-Implementierung vom Objekt aus weitergedacht werden muss. Technisch ausgedrückt: sie sollte bei der „Operational Technology“ beginnen.

Sobald das Gerät Daten sendet, müssen Sie sich mit allen Aspekten des Managements dieser Daten auseinandersetzen und diese schließlich nutzen, indem Sie Lösungen und Integrationspunkte zu ihrem Produkt bereitstellen. Das kann sich ab einem bestimmten Punkt schwierig gestalten, da die Nutzer des Produktes so viele unterschiedliche Integrationsanforderungen haben werden, dass die Produzenten gegen eine Wand laufen.

Sind Sie jedoch ein Konsument, sind die Eigenschaften des Objekts für Sie nur indirekt relevant. Konsumenten beschäftigen sich mit dem Ergebnis von Geschäftsprozessen. Intelligente Sensoren und Objekte werden nur eingesetzt, um das Ergebnis eines Geschäftsprozesses zu beeinflussen. Beispielsweise könnte ein Logistikunternehmen Tracker ins Spiel bringen, um sicherzustellen, dass Pakete rechtzeitig beim Kunden ankommen.

Konsumenten müssen außerdem berücksichtigen, dass Sie es mit vielen unterschiedlichen Anbietern (Produzenten) zu tun haben werden, die alle ihr eigenes Management-Dashboard verwenden, das speziell für den Einsatz mit ihrem Produkt entworfen wurde. Das Logistikunternehmen aus unserem Beispiel oben könnte etwa wechselnde Tracker unterschiedlicher Anbieter einsetzen. Im Lauf der Zeit werden die Konsumenten zu einer Art Flottenmanager und müssen zusehen, dass sie all diese Plattformen steuern und orchestrieren können. Als Konsument darf man die Enterprise-Integrations- und die Prozessmanagement-(Informationstechnologie)-Seite nicht vernachlässigen.

Thomas Weiß von Juwi, einem führenden deutschen Spezialisten für erneuerbare Energien, berichtete neulich, das Unternehmen habe im operativen Betrieb 20 mit unterschiedlichen Dashboards von 20 Anbietern arbeiten müssen. Diese Komplexität sei untragbar gewesen, und Juwi wollte sie auf eine einheitliche Sicht reduzieren.

Fragen Sie sich bevor Sie mit Ihrem IoT-Projekt beginnen: Bin ich ein Produzent oder ein Konsument? Implementiere ich zuerst die Edge-Technologie oder konzentriere ich mich auf das Backend? Und lösen Sie Ihr Henne-Ei-Dilemma ein für alle Mal!